Verfasst von: lennyhamburg | 18. März 2013

Gotta love this city

Vorbei sind die Zeiten, in denen ich Maggi-Würze auf Toastbrot gegessen und mich darüber sogar gefreut habe – aber wer ein mal vom süßen Nektar des ‚Bongo Flava‘ gekostet hat, wer ein mal an Ugali fast erstickt ist oder sich in der Kantine der deutschen Botschaft ein Käsebrötchen erschlichen hat, den lässt die Stadt wohl nicht mehr los.

‚Täter‘ kehren bekanntlich immer an den Tatort zurück. Manche Täter machen ein Buch daraus. Viel Spaß damit!

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Verfasst von: lennyhamburg | 1. März 2013

Tatort: Münster

Frostig peitscht der Wind durch die Straßen der Stadt und lässt mir nicht weniger das Blut in den Adern gefrieren, als die ebenso eisigen Blicke der Münsteraner Aristokratie, wenn ich ihrem Mercedes-Jeep versehentlich die Vorfahrt genommen habe. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ich gerade diese Abende zuweilen im RWS I verbringe; dem rechtswissenschaftlichen Seminar, selbst-ernannten Gryffindor-Flügel der Universität und einziger Bibliothek, die zu (fast) allen Tageszeiten und Lebenslagen geöffnet hat. Meter-lange Schrankwände aus schwerem Birkenholz, bestückt mit den bayrischen Verfassungsblättern der Jahre 1784-1826, verleihen dem Ort eine bedächtige Atmosphäre. Wäre dies ein Harry-Potter-Roman, kämen die Bücher wohl aus dem Regal gesprungen und hätten wild nach meinen Finger geschnappt, um mich (als nicht-Juristen) aus ihrem Revier fortzujagen. Stattdessen hat mich die Bibliotheksaufsicht, eine strenge Dame jenseits von gut & böse, zu ihrem Lieblingsopfer erkoren: „Die Laptophülle bleibt schön draußen!“ schrillte schon es beim ersten Mal hinter mir, kaum dass ich zur Tür hineinkam. Ihr durchdringender Blick, umrahmt von tiefen Augenringen und einer gewissen Verbitterung in ihrer Ausstrahlung, legt sich seither wie ein dunkler Schatten über mein frohes Gemüt, sobald ich ihren Posten am Eingang passiere. Es kommt nicht von ungefähr, dass ich meine Zeit hier verbringe – anders als in unserer kleinen Geographie-Containerdorf-Bibliothek, deren Bücher jeden Freitag vor der PCB-Messung einmal durchgelüftet werden (müssen), geht es hier etwas konzentrierter zu. Ob meiner Prophezeiung als Geograph (für ALDI Parkplätze planen, oder als Taxifahrer darauf herumfahren) tue ich sicherlich nicht schlecht daran, ein paar zusätzliche Stunden in der Büchergrotte investieren. Denn während bei Naturwissenschaftlern, Ingenieuren oder eben Juristen die Claims weitestgehend abgesteckt sind, fällt vielen Leuten die Zuordnung der Geographie relativ schwer. Weiterlesen …

Verfasst von: lennyhamburg | 27. November 2012

Denn sie wissen nicht, was sie tun..

Jaja, schon der alte Jesus muss gewusst haben, dass einige Zeitgenossen mit dem Weltgeschehen zuweilen etwas überfordert sind. Ob es nun römische Präfekte oder deren Politik-Nachfolger im UN-Sicherheitsrat sind, man möchte meinen, sie alle haben manchmal leichte Wahrnehmungsschwierigkeiten. Leider waren es Jesus‘ letzte Worte in irdischer Gestalt, weshalb ich nun schlecht sagen kann, dass er sich angesichts der aktuellen Weltlage bestimmt im Grab umdrehen würde. Nun ja..

Alle mittendrin..Denn jüngst rückte wieder ein Konflikt in das öffentliche Gewissen, der sich längst jeder traditionellen Logik von Krieg und Frieden entzogen hat: Der seit mehreren Jahrzehnten schwelenden (Bürger-) Krieg in der demokratischen Republik Kongo. Befeuert durch einen schier unermesslichen Ressourcenreichtum, bekriegen sich seit mehreren Generationen verschiedene Regionalmächte um die Vormachtsstellung über die lukrativen Gebietschaften. Die zurückhaltende Berichterstattung hierzulande geht wohl mit dem Fakt einher, dass der gemeine Durchschnittseuropäer pauschal wenig mit dem Land anfangen kann: König der Löwen spielt weiter östlich in der kenianischen Savanne, Henning Mankell-Romane kommen aus Südafrika und die blutigen Verteilungskämpfe zwischen indigenen Völkern mit faustgroßen Ohrringen und apokalyptischen Reitermilizen ordnet man tendenziell dem Sahara-Raum zu. Was bleibt also an Assoziationen übrig? Der SPIEGEL nannte es öfters einfach nur Finsternis. Weiterlesen …

Verfasst von: lennyhamburg | 21. Oktober 2012

Zurück in die Zukunft

Nun ist es gut einen Monat her, das ich nach meinem jüngsten Tansania-Trip wieder deutschen Boden betreten habe – allerhöchste Zeit also, einen kleinen Reisebericht nachzureichen. Die Idee zur Reise entsprang noch dem Bad-Honnefer-Fluchtreflex, der mich das letzte Jahr über begleitet hatte und mich in einem schwachen Moment bei Mamas Lieblingsfluglinie, Ethiopian Airlines, ein Ticket nach Dar Es Salaam buchen ließ. Nicht lange danach keimten allerdings die ersten Zweifel auf, ob es – nach nur einem Jahr – nicht etwas verfrüht sei, meine rosa-roten Tansania-Erinnerungen wieder mit der durchwachsenen Dar Es Salaamer Realität zu konfrontieren. Schließlich habe ich in meinen jungen Jahren wenig erlebt, was eine ähnliche emotionale Reichweite hatte und mich soo nachhaltig beeinflusst hat. Während mir die Einen mit schmachtenden Blick eine gute Reise wünschten, rieten mir andere gewissenhaft davon ab – man solle die Erinnerung in Frieden lassen und sich noch etwas Zeit gönnen, um genügend innere Distanz aufzubauen. Bis zuletzt zauderte ich, wohlwissendlich, dass mein Gehirn dazu neigt – wie auch jedes gutes Verfassungsschutzamt – sich unbequemer Erinnerungen durch diskretes Vernichten der entsprechenden Kapitel zu entledigen. Die Gefahr, angesichts dessen gegen eine rosa-schimmerende Glaswand zu laufen, war enorm. Weiterlesen …

Verfasst von: lennyhamburg | 15. Mai 2012

Last Letters from Bad Honnef..

alternativer Titel: „Was gesagt werden muss“

Neulich im April, es war einer dieser launenhaften Frühlingsabende, schlenderte ich unbedarft dem Bonner Hauptbahnhof entgegen, als ich wieder ein dezentes Schwingen in der Magengegend verspürte. Das Grummeln, mehr metaphorischer Natur, rührte nicht etwa von meinem Abendessen her, sondern markierte vielmehr meinen Eintritt in das Gravitationsfeld des Bonner Lochs. Genau wie seine intergalaktischen Counterparts hält es die Umgebung zusammen, ohne dass man auf den ersten Blick sieht, woher es diese Kraft nimmt. In meinem Beispiel gilt die Bonner Republik als Ereignishorizont, deren historischer Glanz als Bundeshauptstadt nunmehr einem muffigen, trüben Charme gewichen ist und scheinbar nur noch von diesem städtebaulichen Fiasko zusammengehalten wird. Doch noch immer bilde ich mir ein, die Stimmung der glorreichen Jahre spüren zu können, in denen sich dieser biedere Fleck Erde aufschwang und fortan die Liga der ausgewöhnlichen Gentlemen der Weltpolitik beherbergte. Weiterlesen …

Verfasst von: lennyhamburg | 6. April 2012

Sometimes in April

Am 6. April 1994, genau heute vor 18 Jahren – der Autor dieser Zeilen lernte gerade, alleine Fahrrad zu fahren – fiel in einem Land, näher an uns als Amerika, der sprichwörtliche Startschuss zu einem der blutigsten Kriege der Neuzeit. Innerhalb von 100 Tagen verlor Ruanda, das Land der Tausend Hügel, mehr als 800 000 seiner Söhne und Töchter. Das sind mehr Opfer, als in Afghanistan, Irak, Libyien und einem weiteren Bürgerkrieg Ihrer Wahl zusammen. In den folgenden zehn Minuten, die Sie vielleicht auf diesem Blog verweilen, sind damals also 55 Menschen ums Leben gekommen. Und die Welt? Die hielt sich die Augen zu.

24h - 300 000 Menschen

Über diese Brücke haben sich innerhalb 24h etwa 300 000 Menschen nach Tansania gerettet

Genau dieses Dilemma schwirrt mir, auch ein Jahr nach meinem Besuch im Genozid-Gedenkzentrum (Kigali Genocide Memorial Centre) in Ruanda, noch immer im Kopf herum. Der Ort, eng angeschmiegt an die Hügelketten, die Kigali einrahmen und dem Land ihren Spitznahmen geben, begrüßt die Besucher mit einem unscheinbaren, geradezu charmanten, Äußeren. Die dezent-blühende Bepflanzung im Eingangbereich könnte aus einem botanischen Garten stammen und wirkt nicht weniger gehegt & gepflegt als das Regierungsviertel der Stadt. Doch sobald man sich den schweren Granitplatten im Garten nähert, unter denen die Gebeine von etwa 250 000 Menschen begraben liegen, wandelt die vorscheinliche Idylle in frösteldes Entsetzen. Ich weiß nicht, ob es Intention der Erbauer war, aber so stelle ich mir das Ebenbild des Landes im Jahre 1994 vor. Weiterlesen …

Verfasst von: lennyhamburg | 14. März 2012

Abschlussbericht & DSM-Reiseführer

In einem Moment trauter Tansania-Nostalgie ist mir kürzlich mein Abschlussbericht wieder eingefallen, der schon seit letzten Herbst kursiert und bereits diverse Verwandschaftsmitglieder und offenbar auch BMZ-Beamte amüsiert hat.

Diesen Spaß will ich natürlich auch meinen regulären Lesern nicht vorenthalten. Eine kurzweilige, leicht sentimentale Lektüre mit musikalischer Untermalung – Herr Reich-Ranicki wäre begeistert!

Tansania 10/11 – Der offizielle Soundtrack

Auf der übergeordneten Seite findet sich zudem weiteres Kleinod, mit dem ich mir die Zeit vertreibe. Viel Spaß beim Lesen!

https://ek725.wordpress.com/gesammelte-werke/

Verfasst von: lennyhamburg | 16. Januar 2012

Denn die Welt ist nicht genug..

Ein verspäteter Epilog.

Nun, da die letzten Tränen um Kim-Jong-Il verdrückt sind und C. Wulff allmählich erkennt, dass er sich mit Tipps zum Thema „Good Governance“ für’s erste zurückhalten sollte, ist es Zeit, ein paar alte Ideen hervorzukramen und einen Blog-Eintrag zu vollenden, dessen Anfänge bis in den September zurückreichen.

Es ist ruhig geworden um meinen Blog, eine fast melancholische Stille liegt über meinem Tansania-Jahr und der Erinnerung daran. Vielleicht ist es die Aura meiner neuen „Heimat“, Bad Honnef? Jenem oberirdischen Friedhof, der den Charm eines Altenlagers aus dem ZDF-Knüller „Aufstand der Alten“ hat und einen (Konrad-Adenauer-) Personenkult betreibt, der jedem Nordkoreaner Tränen in Augen treiben würde?

Nein, das wäre zu einfach. Inzwischen ist ein knappes, halbes, Jahr ins Land gezogen und das Alltagsleben hat mich geschluckt wie ein superschweres, schwarzes Loch. Drinnen ist es absolut still, düster und geradezu einschläfernd banal. Prinzipiell nichts schlimmes, doch im Vergleich zum lebendigen, aufreibenden Großstadtleben in Dar Es Salaam ist es.. sagen wir mal, etwas ‚ernüchternd‘. Ernüchternd ist allgemein ein gutes Wort, um meinen „Wiedereintritt“ in die europäische Hemisphäre zu beschreiben. Nach dem kulturellen Tiefenrausch in Tansania folgte ein allzu abrupter Aufstieg in die hinterletzte Ecke des Rheinlandes; von der Ocean Road nach Oberdollendorf. Weiterlesen …

Verfasst von: lennyhamburg | 24. August 2011

Sunday bloody Sunday..

Heute ist zwar schon Mittwoch, aber wir verbuchen das mal unter dem Stichwort ‚künstlerische Freiheit‘. Außerdem ist Sonntag einer dieser Tage gewesen, an dem sicherlich irgendein melancholisher Daniel Powter-Song im Hintergrund gelaufen wäre, wenn mein Leben einen Soundtrack hätte. Aber das hat es leider nicht und so musste ich mich mit NDR-2 begnügen, um die unheimliche Stille zu vertreiben, die mich seit dem 12.8. umgibt. .

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Verfasst von: lennyhamburg | 3. August 2011

definiere: tansanisch

Verehrte Leser,

vielleicht ein letztes Mal meldet sich Lenny alias Lennardi/John/Peter Crouch/Pavel Nedved/warum hast du Osama getötet!?!/Mr. Lenn aus dem fernen Tansania. Ich muss zugeben, meine Schreibleistung hat im Laufe der Zeit eindeutig nachgelassen, aber je mehr man im Leben drin ist, desto weniger auffällig & berichtenswert erscheinen die Dinge. Vieles ist hier für mich so normal geworden, sodass ich inzwischen – lapidar gesagt – Bammel vor der Rückkehr nach Deutschland verspüre. Was mir dabei Angst bereitet sind, sind weniger Land & Leute, als Unterschied & Umstellung an sich. Wenn ich an das ‚deutsche‘ Leben denke, fallen mir zwei grundsätzlich gegenteilige Begriffe ein: selbstverständlich und unvorstellbar. Dabei bin ich kulturell weit weniger tief eingetaucht als manch Andere, habe ich doch vergleichsweise international gelebt. Weiterlesen …

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